Spiritualität

Mit diesem Begriff verbinden unterschiedliche Menschen Unterschiedliches. Die Reise wird von einem christlichen Träger veranstaltet, ich selbst bin Theologin - das mag die Erwartungen bereits lenken. Dennoch ist mir wichtig, ein wenig zu beschreiben, was Spiritualität auf unseren Reisen sein kann und was nicht.

Zunächst soll deutlich werden, was Sie nicht erwarten dürfen:

> Wir setzen nicht voraus, dass unsere TeilnehmerInnen sog. praktizierende Christen sind. Jede*r ist willkommen, ganz unabhängig von der weltanschaulichen "Sortierung".

> Es gibt keine "Frömmigkeitsübungen", zu denen jemand verpflichtet wird.

> Es gibt kein Muss in Sachen Spiritualität.

> Bei uns wird nicht missioniert.

 

 

Was heißt dann Spiritualität auf unseren Reisen?

Was wir an geprägten Frömmigkeitsformen (Reisesegen, Gottesdienste oder Andachten) einflechten, kommt ganz auf die Bedürfnisse der Gruppe an. Darüber gilt es sich grundsätzlich beim Vorbereitungstreffen zu verständigen - allerdings haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass sich diese Absprachen vor Ort noch einmal verändern können, wenn es von der Situation her "dran" ist.

Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Möglichkeiten, miteinander innezuhalten und das Erlebte in einen größeren Kontext zu stellen: Morgen- oder Abendimpulse aus der Bibel, Lesezeiten aus anderen Büchern, die sich mit Wüstenerfahrungen befassen, oder einfach Gesprächsrunden, die reflektieren, was wir erlebt haben.

Wir bewegen uns in den Ländern der Bibel, und da liegt es nahe, sich ihre Erfahrungswelt in besonderer Weise zu vergegenwärtigen. Und es ist eben etwas ganz Eigenes, plötzlich mit Leib und Seele die Landschaft wahrzunehmen, die in den alten Geschichten den räumlichen Rahmen abgibt. So kann der Text eine ganz neue Lebendigkeit und Plausibilität bekommen - z.B. wenn ich das Gleichnis vom barmherzigen Samariter am Ort der Handlung auf einer Wanderung durch das Wadi Qelt zu hören bekomme.

Sehr bewährt hat sich folgender kleiner "Ritus": zu Beginn einer Wandereinheit am Morgen und am Nachmittag gehen wir so etwa eine Stunde schweigend. Zuvor und zum Schluss dieser Strecke gibt es einen kurzen Textimpuls. Das ermöglicht eine ganz andere Konzentration und Wahrnehmung und wurde bisher von den TeilnehmerInnen sehr geschätzt.

Eine weitere spirituelle Dimension ist zudem das Wandern selbst. Das Erleben von Anstrengung, Hitze, Anforderung an Mut, Kraft und Durchhaltewillen, von "Ich kann nicht mehr!" und "Ich hab's geschafft!" - all das birgt eine spirituelle Erfahrung. Diese wahrzunehmen, vielleicht auch während vereinbarter Zeiten des schweigenden Gehens, und ins Bewusstsein zu heben, für sich allein oder im Gespräch mit anderen: das ist für mich persönlich die einzigartige Art von Spiritualität, die ich so nur in der Wüste erlebe und die mir weit darüber hinaus Kraftquelle für den Alltag bleibt.

Eines wird dabei immer gelten: es gibt viele Möglichkeiten - wahrscheinlich mehr, als wir bisher ausprobiert haben - aber es gibt keinen Zwang, niemand muss etwas mitmachen, wozu er oder sie keinen Zugang hat.

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer lassen sich von ihren Erfahrungen auch zu spirituellen Texten anregen - lesen Sie hier.


Sollten Sie Interesse haben, sich vertiefend mit unserem Verständnis von Spiritualität zu befassen, lesen Sie diesen kurzen Beitrag des Deutschlandfunks über den Theologen Paul Tillich und sein Religionsverständnis.  

 

 

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